Weltkirche · 19. September 2026
Papst Leo betont gegenseitige Abhängigkeit für die Zukunft der Menschheit
Papst Leo sprach während einer Mittwochsaudienz auf dem Platz des Petersdoms zu Gläubigen und Pilgern.
Der Papst bezog sich auf das zweite Kapitel der theologischen Verfassung Gaudium et Spes, welches die wachsende gegenseitige Abhängigkeit der Menschen als ein Hauptmerkmal der heutigen Welt beschreibt. Er betonte, dass die vollständige spirituelle Würde des Einzelnen gegenseitigen Respekt erfordere. Während technologische Fortschritte, soziale Medien und künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten eröffnen und Distanzen verringern, warnte er vor einer Zunahme virtueller gegenüber persönlichen Beziehungen. Es bestehe das Risiko, Entscheidungen Algorithmen zu überlassen, die nur einen Teil des menschlichen Bewusstseins darstellen. Die christliche Gemeinschaft strebe danach, echte Substanz und persönliche Tiefe in sozialen Beziehungen zu gewährleisten.
Nach Ansicht des Papstes sind die menschliche Vollkommenheit und die gesellschaftliche Entwicklung untrennbar mit der gegenseitigen Abhängigkeit verbunden. Er verwies auf die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils, wonach der Mensch aufgrund seiner Natur vollständig vom sozialen Leben abhängig ist und daher das Ziel aller sozialen Institutionen sein muss. Die Vielfalt der Völker und Länder solle nicht als Gefahr, sondern als Mittel für Reichtum und Entwicklung betrachtet werden. Kriege und Gewalt seien das Ergebnis der Macht der Sünde, die zu Zerstörung und Tod führen.
In Bezug auf das Gemeinwohl definierte der Papst dies als die Gesamtheit der sozialen Bedingungen, die Gruppen und Einzelpersonen eine möglichst vollständige und leichte Hilfe zur Entwicklung bieten. Jede soziale Gruppe müsse die Bedürfnisse anderer Gruppen und das Wohl der gesamten menschlichen Familie berücksichtigen.
Der Papst nannte spezifische Bedingungen für die menschliche Würde. Er verurteilte alles, was gegen das Leben gerichtet ist, darunter Mord, Völkermord, Abtreibung, Sterbehilfe und Selbstzerstörung. Ebenfalls verurteilt wurden Folter, willkürliche Inhaftierung, Vertreibung, Sklaverei, Prostitution sowie der Handel mit Frauen und Kindern. Er betonte, dass Menschen nicht als Waren zum Profit genutzt werden dürfen.
Zudem forderte er soziale Gerechtigkeit und die Beseitigung jeder Diskriminierung aufgrund von Geschlecht, Rasse, Farbe, Sprache, Religion oder sozialem Status, da diese gegen den göttlichen Willen verstießen. Er rief dazu auf, eine Mentalität des Individualismus zu überwinden und stattdessen Verantwortung und Teilhabe zu übernehmen. Die Zukunft der Menschheit hänge davon ab, wie sehr jeder Einzelne bereit sei, gemeinsam mit Gott und seinen Mitmenschen an einer menschlicheren Welt zu arbeiten.