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Weltkirche · 1. Oktober 2026

Kardinal Koch fordert Frieden zwischen Kirchen als europäische Verantwortung

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Aaron Burden / Unsplash

Kardinal Kurt Koch, Präfekt des Dikasteriums für die Förderung der Einheit der Christen, betont in einem Interview mit Vatican News, dass die Kirchen einen entscheidenden Beitrag zur Friedensfindung leisten können. Er spricht dabei anlässlich des Treffens "Religionen und Diplomatie", das vom 28. bis 30. September im Palazzo San Calisto in Rom stattfindet. Das Ereignis markiert das dreißigste Jubiläum der Internationalen Assoziation Carità Politica. Koch verweist auf die Notwendigkeit, die innere Einheit der Kirche und den Frieden zwischen allen Kirchen wiederzufinden, um im pluralistischen Zusammenleben ein ausgewogenes Miteinander zu ermöglichen. Er sieht im Ökumene einen Weg, um in der Vielfalt ein gemeinsames Gleichgewicht zu schaffen. Die Veranstaltung bringt zudem Vertreter diplomatischer Akteure bei der Heiligen See sowie Maria Angela Falà, ehemalige Präsidentin des Italienischen Buddhistischen Bundes, zusammen. Koch nutzt die Gelegenheit, um die wachsende Nachfrage nach moralischen Orientierungen im öffentlichen Leben zu thematisieren, während wissenschaftliche und technologische Veränderungen neue Fragen an Gesellschaften und Regierungen stellen. In seiner Eröffnungsrede verbindet er die europäische Identität nicht nur mit wirtschaftlichen und politischen Strukturen, sondern auch mit ihrer historischen, spirituellen und kulturellen Dimension.

Er fragt, ob Europa einen zukünftigen Platz behalten kann, wenn es die Erinnerung an seine Wurzeln verliert. Koch betont die enge Verbindung zwischen den Begriffen "Kultur" und "Kult", um die religiöse Prägung der kulturellen Entwicklung hervorzuheben, während heute Religion und Kultur oft als getrennt betrachtet werden. Er präsentiert ein Bild von drei Hügeln, Golgatha in Jerusalem, die Akropolis in Athen und der Kapitol in Rom, als Symbol für das Zusammentreffen biblischer Erbschaft, griechischen Denkens und römischer Rechtstradition. Diese Begegnung, wie er ausführt, bildet eine der Grundlagen der europäischen Kultur, auf die bereits Benedikt XVI. im Jahr 2011 im Deutschen Bundestag verwiesen hat. In der griechischen Erbschaft sieht Koch die Suche nach Gut und Wahrheit, die für eine Demokratie unerlässlich ist, die über bloße Mehrheitsentscheidungen hinausgeht. Die christliche Faith, so Koch, hat diese rationale Suche nach Wahrheit in ihre eigene Geschichte integriert. Er verweist auf das antike Rom, wo die christliche Tradition die juristische Ordnung und den Dialog zwischen Glauben und politischer Macht prägt, was letztlich zur Trennung von Kirche und Staat führte.

Koch nennt drei Prinzipien, die Europa weitergeben soll: das Bezugnehmen auf Gott, die Würde des Menschen und die soziale Verbundenheit. Er warnt vor einer zunehmenden Entwertung des menschlichen Lebens, die er mit dem Verlust des Bewusstseins für die Gegenwart Gottes im öffentlichen Leben verbindet. Das Erinnern an christliche Wurzeln, so betont er, solle nicht eine privilegierte Stellung der Kirche fordern, sondern lediglich einen Bestandteil der europäischen Kulturgeschichte anerkennen. In diesem Kontext weist er auf die Möglichkeit hin, dass die Kirchen durch gelebte Ökumene eine Erfahrung der Zusammenkunft schaffen, in der Vielfalt die Einheit nicht verhindert. Er zitiert das augustinische Motto von Papst Leo XIII, "In illo uno unum", als Leitlinie für die katholische Kirche, den Ökumene und letztlich auch für das zivile Zusammenleben. Die Veranstaltung bietet zudem Audio- und Bildmaterial, das Einblicke in die ersten Sitzungen des Treffens gewährt.