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title: Deutscher Bischof widerspricht Papst Leo XIV. zur Frage systemischen Missbrauchs
url: https://www.faithfulnews.com/de/deutscher-bischof-widerspricht-papst-leo-xiv-zur-frage-systemischen-missbrauchs
published: 2026-11-06T11:49:55+00:00
language: de
section: Weltkirche
source: https://cruxnow.com/church-in-europe/2026/11/german-bishop-challenges-popes-comments-on-systemic-abuse-in-the-church/
organizations: Catholic Church, I-Media, Deutsche Bischofskonferenz
publisher: FaithfulNews
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# Deutscher Bischof widerspricht Papst Leo XIV. zur Frage systemischen Missbrauchs

Ein deutscher Bischof hat eine öffentliche Erklärung veröffentlicht, in der er die Äußerungen von Papst Leo XIV. zum Thema sexuellen Missbrauchs in der Kirche hinterfragt. Der Papst hatte bei seiner Rückreise aus Frankreich im September den Missbrauch primär als ein menschliches Problem bezeichnet, woraufhin der Bischof nun deutlich Stellung bezieht und eine Anerkennung systemischer Ursachen fordert.

Bischof Georg Bätzing aus Limburg legte am Dienstag auf der Website seiner Diözese dar, warum er mit den Kommentaren des Papstes nicht übereinstimmt. Er betonte, dass die Erkenntnis systemischer Ursachen kein Alleinstellungsmerkmal der Debatte in Deutschland sei. Vielmehr stelle diese Erkenntnis eine Konsequenz aus wissenschaftlichen Befunden sowie aus den Erfahrungen von Menschen dar, die innerhalb der Kirche schweres Leid ertragen mussten. Der Bischof warnte davor, dass eine Verharmlosung oder Leugnung systemischer Ursachen des sexualisierten Gewalt einen schweren Rückschritt bedeuten würde. Dies würde die Opfer erneut verletzen und die Glaubwürdigkeit der Untersuchungen gefährden.

Zwar räumte Bätzing ein, dass Leo XIV. die Verantwortung der Kirche betont habe, doch empfand er diese Aussage im Hinblick auf den systemischen Aspekt des Missbrauchs als unzureichend. Der Bischof äußerte den Wunsch, der Papst möge ebenso klar die systemischen Ursachen der sexualisierten Gewalt anerkennen. Die Diskussion entstand im Kontext eines Fluges von Frankreich zurück nach Rom, während dessen der Papst Fragen von Journalisten beantwortete. Cyriac Zeller vom französischen Medium I-Media hatte den Papst direkt gefragt, ob er den Missbrauch in der Kirche als systemisch betrachte, da Opfer dies so verstanden hätten.

In seiner Antwort stellte Leo XIV. fest, dass mehrere Opfer von systemischem Missbrauch gesprochen hätten. Ohne jemanden widersprechen zu wollen, bevorzugte er jedoch eine andere Ausdrucksweise. Er führte aus, dass er zwar über Organisationen innerhalb der Kirche gesprochen habe, die zeitweise als System missbräuchlich gehandelt hätten, doch bleibe sexualisierter Gewalt in erster Linie ein menschliches Problem. Wenn sie innerhalb der Kirche geschehe, komme eine weitere Dimension hinzu, da das Glaubensleben der Menschen tief verletzt oder sogar zerstört werde. Der Papst erwähnte zudem, dass die Kirche einerseits als verantwortlich gesehen werde, andererseits aber auch ein wichtiger Teil der Heilung für die Betroffenen sein könne.

Bätzing bezeichnete diese Beschreibung als unangemessen und in ihren potenziellen Folgen als höchst problematisch. Er fragte schriftlich, ob der Papst anerkenne, dass nicht nur Einzelpersonen und Organisationen, sondern auch spezifische Strukturen innerhalb der katholischen Kirche den Missbrauch und dessen Vertuschung ermöglicht hätten. Für das Wohl der Opfer dürfe die Kirche nichts beschönigen, nichts relativieren und keine unbequemen Wahrheiten ignorieren. Der deutsche Prälat betonte, dass eine wirksame Verkündigung des Evangeliums eine drastische Selbstprüfung der Kirche erfordere. Institutionelle Interessen dürften nicht über die menschliche Würde gestellt werden, und geistliche Autorität dürfe niemals von Rechenschaftspflicht und Aufsicht befreien.

Jene innerhalb der Kirche, die gegen Missbrauch kämpften, müssten auch die Strukturen ändern, die Missbrauch begünstigen. An diesem Maßstab müsse sich die Kirche messen lassen, und zwar in Deutschland, in Rom und überall auf der Welt. Bätzing bezog sich dabei stark auf eine Studie, die im Jahr 2018 im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht wurde. Diese Argumentation besagt, dass Missbrauch in der Kirche nicht nur als Fehlverhalten Einzelner verstanden werden kann, sondern auch strukturelle Faktoren widerspiegelt, die das Risiko für Missbrauch erhöhen. Dazu zählten der Klerikalismus und asymmetrische Machtverhältnisse, die sakrale Überhöhung priesterlicher Autorität, problematische Formen der Persönlichkeitsentwicklung und psychosexuellen Reifung sowie ein Tabu um Sexualität und sexuelle Orientierung. Der Bischof forderte abschließend, die Strukturen zu ändern, in denen Macht ausgeübt, Verantwortung übernommen und Entscheidungen getroffen werden. Die Kirchenführung benötige verbindliche Rechenschaftspflicht, transparente Entscheidungsprozesse sowie wirksame und idealerweise unabhängige Kontrollmechanismen.

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